Vom Biergenuss in Straelen

von Bernhard Keuck

 

 

Bier kann man als eines der ältesten Getränke ansehen. Archäologische Funde belegen, dass schon vor zehntausend Jahren aus Getreide berauschende Getränke gebraut wurden. Ein großer Konkurrent erwuchs dem Bier zur Römerzeit im Wein. Überall, wo die Römer ihre Macht festigten, führten sie ihn ein, auch im Rheinland. Im Mittelalter sprach man bei uns wieder mehr dem Bier zu. Man kann davon ausgehen, dass es nicht nur als Rauschverursacher beliebt war, sondern als Nahrungsmittel genutzt wurde, da es durch die Gärung keimfrei und damit of gesünder war als Trinkwasser.

 

Um es möglichst für einige Wochen haltbar zu machen, setzte man ihm Knospen und Blätter des Gagelstrauches, Grut genannt, zu. Gagel wurde im Straelener Veen gewonnen, wo es als strauchgroße Pflanze bis heute wächst. Auf der Grut lag eine Steuer, die ursprünglich dem Kloster Siegburg zustand. 1390 hat Ritter Sander von Kodinchoven sie in seinen Händen und stattet seinen Sohn und seinen Schwiegertochter Aleyt als Mitgift damit aus. Dieses Grutrecht muss sehr erträglich gewesen sein und kam einen Monopol gleich, wie uns eine Urkunde von 1424 verrät. Darin verbriefen die Regierer Straelens, dass jeder Einwohner Hopfen – oder Keutebier in Straelen brauen, zapfen oder verkaufen dürfe. Sander und Aleyt hatten dieser Erlaubnis unter der Bedingung zugestimmt, dass der Grüter hinzuzuholen sei, wenn das Bier abgefüllt werde. Für jede Heringstonne Hopfenbier solle der Brauer neun Zehntel  eines Vlämischen (damalige Geldeinheit) abführen. Zehn Jahre später spricht eine Urkunde sogar von einem Straelener Gruthaus (Brauhaus), das Sander wie von alters her in „Dach und Fach zu halten habe.“ Interessant ist, das in beiden Urkunden von Hopfenbier die Rede ist. Damit können wir den Übergang vom Grutbier zum 

Hopfenbier für diese Zeit annehmen.

 

Später muss Hopfen in Straelen auch angebaut worden sein, ein Flurstück „Hoppegard“ ist im 18. Jahrhundert in Bockholt belegt. Ende des 17. Jahrhunderts gelangt das Kermesbier zu einiger Berühmtheit. Es wird in der Rossmühle des Klosters Agnes und Cäcilia in der Stadt gebraut und auf dem Klosterplatz zur Kirmes anlässlich der Einführung eines Neubürgers ausgeschenkt.Diese Sitte artete so in Besäufnis und Schlägerei aus, dass sie verboten werden musste. Doch war offensichtlich das Bedürfnis nach einem starken Rausch damit nicht aus der Welt zu schaffen. „Man braut hier Bier, welches mehr berauscht als der stärkste Wein“, weiß Simon von Alpen 1802 über Straelen zu berichten. Es ist zu vermuten, dass man hier einer Mode entsprach und dem Bier stark rauschhafte Mittel zufügte, wie es z. Bsp. in Neuss bekannt ist, wo Tollkirsche dem Braugut zugefügt wurde. Später ist von diesem Starkbier keine Rede mehr.

 

Ende des 19. Jahrhunderts kommt das Bier zu ganz neuen Ansehen. Es klingt zwar paradox, doch wird es als Waffe gegen die Geißel Alkoholismus eingesetzt. „Bier ist der Feind des Branntweines, der auf Körper und Geist verderbend wirkt und gerade unter den minder begüterten Schichten verbreitet ist… der Einbürgerung von reinem und guten Bier in schnapstrinkenden Gegenden kann nicht genug Vorschub geleistet werden,“ heißt es 1881 in der Zeitung. Auch in Straelen war die Zahl der Wirtshäuser mit Schnapsausschank so hoch, dass der Landrat Maßnahmen ergreifen musste. Mit schärfstem Konzessionsrecht versuchte er die hohe Zahl von über 60 Wirtshäusern zu verringern.

 

Wie dem auch immer sei, fürs Bier scheint der Boden in diesen Jahren besonders gut bereitet zu sein. In Adressbuch von 1897 finden wir in Straelen vier Bierbrauer: Peter Brimmers, Michael Haefs, Fran Kloeck und Johann Tervooren, im Adressbuch 1910 fehlt nur Tervooren, das „Straelener Brauhaus“, Besitzer Oscar Aufermann, ist dazugekommen. Sein Firmenbriefkopf (siehe Überschrift) wirbt für „Biere nach Dortmunder Art, Spezialität: Straelener Kindle-Bier“. Wer den Briefkopf genauer Betrachtet, stellt fest, dass der Gebäudekomplex als „Landmaschinen Alters“ an der Gartenstraße noch heute existiert. Über den Umfang der Bierproduktion können kaum Angaben gemacht werden. Aus den Gewerbesteuerakten ergibt sich lediglich, das Haefs und Tervooren mit 24 Mark und Kloeck mit 16 Mark pro Jahr eher zu den Kleinbetrieben zu rechnen sind . Sie leisteten auch keine Abgaben nach außerhalb. Ihr Bierausstoß kam demnach wohl vor allem in den örtlichen Gasthäusern zum Ausschank.

 

Nach dem ersten Weltkrieg gaben alle diese Kleinbrauereien auf. Schon damals setzte der Konzentrationsprozess ein, der bis heute das Bier zu einem heiß umkämpften Produkt macht. Als willkommenes Erinnerungsstück an die Straelener Brauerzeit tauchte kürzlich ein „Bierhumpen“ auf, der in feinem Jugendstildekor das Firmenlogo „Straelener Brauhaus“ zeigt. Er wurde dem Stadtarchiv geschenkt.

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